Pressestimmen:


Jazzpodium, Juli/August 2006

Der deutsche Pianist Tim Sund wurde Anfang der 1990er Jahre von Richie Beirach entdeckt. Von diesem hat Sund auf seinem Solodebüt "As Dark As The Sun" zwei Stücke (eines davon als hidden track) aufgenommen, ein weiters stammt von John Abercrombie, die restlichen neun Stücke sind eigene Tonschöpfungen. Er bemüht gerne flächige Soundcluster, mit denen er sich improvisierend wie ein Klangforscher vorarbeitet. Dabei klingen zweifelsfrei Einflüsse wie Art Tatum, Chick Corea und Keith Jarrett aus dem Jazz oder Bartók und Strawinsky aus der Klassik an - aber stets im Rahmen organisch entwickelter Improvisationen und keineswegs plakativ. Was Sund an Material zusammenträgt, spricht für schöpferische Größe. Seine Gestaltungskraft zeigt künstlerische Reife. Er lässt den Improvisationen Raum, verdichtet sein Spiel, wenn es die Dramaturgie erfordert. Sein Spiel kann mit repetitiven Mustern dahinwandern, kann impulsiv ausbrechen, frei gleiten, wird wieder eingefangen, kann lyrisch verzaubern, bleibt immer spannend, kann erregen und ist spürbare Emotion aus des Künstlers Seele.
Matthias Weiller


Jazzflits, Mai 06, NL

"As Dark As The Sun" ist das achte und erste Soloalbum von Tim Sund (1971); Dieser junge Deutsche Pianist ist seit Beginn der neunziger Jahre wohnhaft in New York. Jazz mit klassischen, minimalistischen Zügen, balancierend zwischen Komposition und Improvisation. Ihm zufolge inspiriert durch unter anderem Herbie Hancock, Bill Evans, Chick Corea, Paul Bley, McCoy Tyner, Keith Jarret, Richie Beirach und Lyle Mays (Ähnlichkeiten mit der Solo CD von Mays "Solo-Improvisations For Expanded Piano" 2000, fallen auf). Die Musik von Sund ist Weltmusik ohne weitschweifig zu werden. Die Ausarbeitung der Themen sind überraschend und halten den Zuhörer gefesselt. Hier fällt auch eine Ähnlichkeit mit Bill Evans auf, der in minimal bemessenem Raum das Maximale zu erreichen wusste, mit einer begrenzten Menge Noten eine Geschichte erzählen zu können. In diesem Sinne hat seine Musik auch etwas von dem, was Misha Mengelberg tut. Die Verspieltheit und der Humor, die kleinen versteckten Scherze in den Akkorden. Sund ist in diesem Sinne auch ein begabter lyrischer Pianist, der einen mitnimmt, in seine Erzählung. "As Dark As The Sun" ist eine Platte, die sich traut die traditionellen Wege zu verlassen. Das ist Jazz wie Jazz sein kann, starke Schemen, aber gleichzeitig unbegrenzte Freiheit.
(Übersetzung: Mareike Voss)


Kultruradio am Mittag, 10.05.2006

Für jeden Pianisten ist das Solospiel eine ganz besondere Herausforderung - physisch, vor allem aber künstlerisch. Vor allem Jazz-Pianisten, deren Spiel durch die Spannung zwischen Komposition und Improvisation geprägt ist, sehen im Solo-Spiel quasi eine Art Ritterschlag. Diesen erhält der Pianist Tim Sund nun mit seinem inzwischen 8. Album, As Dark As The Sun.

Der Komponist und der improvisierende Pianist finden kongenial zusammen. Das klassisch geprägte Formbewusstsein und die Freiheit der Spontaneität gehen eine Symbiose ein. Sund leugnet nicht seine Vorbilder Herbie Hancock, Chick Corea (dem er ein Stück widmet), Keith Jarrett, Paul Bley oder seinen früheren Lehrer Richie Beirach (von dem er zwei Kompositionen spielt). Dabei hat er aber einen eigenen Stil entwickelt, der wie bereits auf einigen früheren Produktionen auf immer wieder überraschende Weise Klassik und Jazz, Komposition und Improvisation, eingängige Melodien mit freiem Spiel vereint. Der Klang der Aufnahme ist sehr direkt und warm.

Parallel zur CD erscheint ein 72-seitiges Buch mit allen Kompositionen bzw. Transkriptionen der CD und einem Interview, das der Produzent Robert Seidel mit Tim Sund führte.
Bewertung: ***** (=großartig)
Ulf Drechsel


Cadence Magazine, USA, January 2006

"Trialogue" presents Sund in a trio setting with bassist Martin Lillich and drummer Michael Kersting. Sund proves to be an expressive pianist, gleaning the usual sources for inspiration, but displaying a broad range of capabilities, no doubt one of the mamy lessons learned from Richie Beirach. As for the program, the trio tackles five standards, a few Sund pieces, and four improvised pieces. Regarding the standard portion of the program, Sund and Co. Attempt to make these familiar melodies sound new again, certainly not a new vocation, but one that has fruitful results here. The opening cut, "Nardis," demonstrates that this trio seeks to chart its own course, spreading the familiar melodiy amongst the trio's low ended vamp, with bridges that intesect the rhythmic flow, as Sund's shimmering notes twirl. Similarly, the trio jumps into "When Will The Blues Leave" with a giddy joy and breaks apart the familiar "I Hear A Rhapsody" into a new tune altogether, "Hidden Rhapsody". For the trio's romantic look at the standards, "Blue In Green" is glorious, while the trio again deconstructs "The Peacocks" as haunting ballad coaxed by Martin Lillich's lithe arco expressions.
As for the Sund originals, the trio glides along on the buoyant waltz of "Puzzle 1499," with Lillich's punchy pizzicato thoughts amidst Kersting's shuffling brushwork, while both "El Rojo" and "Ravi" present the most romantic side of the trio. Finally, the four improvised "Trialogue" pieces demonstrate another side of the trio's art, moving from more abstract tones ("#1: The Cage Map") to heavy swing ("#2: Lets Open The Year") to fragile icicles ("#3: A Deeper Season") to a cool breeze on a winter eveing ("#4: The Evergreen Terrace"). A solid piano trio date from start to finish that while perhaps not as incredible as beirach's liners might suggest, is noteworthy for its staying power. While "Trialogue" presents Sund leading his trio, "Americana" springs from an invitation from American reedist (and previous collaborator) Tom Christensen to perfrorm in a series of New York concerts, with each player utilizing a favorite sideman for a one-off quartet. Christensen brought bassist Ben Allison and Sund brought over Kersting. The most interesting aspect of this recording is that although it is entitled Americana, the overall results place this record easily within the ECM realm, with its breezes of melancholic aloofness and introspective poles that rarely thaw. That's not necessarily a bad thing, of course, depending upon your inclinations. This sonic wallpapering gets under way immediately with the forlorn first cut, "Americana," coming straight out of the Lyle Mays/Pat Metheny school, with its airy keyboards and Christensen's soaring Engish horn amidst buoyant basslines and floating cymbal work. Along similar horizons is the icy beauty of "Akire" with its lucious piano, Christensen's fluid flute work and Allison's riveting pizzicato solo, as well as the contemplative "Nozomi," a fine feature for Christensen's English horn. The group also ventures into the straight-ahead territory on the solemn, minor blues waltz, "New Chances" and the eminently swinging "Pit Jazz," both of which allow the musicians to spotlight the basics. Surprisingly, the quartet also walks close to the edge on numbers like "The Watcher and The Moon," with Sund's plucked strings and Christensen's fluttering alto flute, Carla Bleys "Vashkar" with its tension-filled suspensions and "The Cosmic Lawn," a dramatic, mostly freely improvised piece that features Kersting's shuffling hi-hat rhythms, Christensen's bass clarinet, Sund's chord washes, and the piece's motivator, Allison's sitar-like bass tones. An intriguing set once again demonstrating the global stretch of this music.
Jay Collins


Jazz Podium Mai 04

Ersatzlösungen müssen nicht immer die schlechtesten sein. Das Ergebnis von Tim Sunds und Tom Christensens "Americana" jedenfalls ist das bemerkenswerte Resultat eines solchen Vorfalls. Im Herbst 2000 hätte eigentlich Saxophonist Joel Frahm mit dem deutschen Pianisten Tim Sund auf Tour gehen sollen, der aber schickte seinen ehemaligen Lehrer Christensen. Weil der vielseitige Holzbläser (Saxophone, English Horn, Bassklarinette, Altflöte) und der für seine orchestralen Kompositionen bekannte Tastenmann sich musikalisch gut verstanden, holten sich beide mit Bassist Ben Allison und Schlagzeuger Michael Kersting noch weitere gute Bekannte ins Boot - und ab ging die Reise. "Americana" ist geprägt von einem sehr warmen und weichen Sound. Eberhard Weber, Charlie Mariano und Rainer Brüninghaus oder auch Lyle Mays fallen einem nach den ersten Tönen des Titelstücks sofort ein, und im entsprechend sich an moderner Jazzharmonik und klassischen Spielfiguren orientierenden Stil geht es in der Folge auch weiter. Gekonnt wird dabei musikalischen Einflüssen und Eindrücken aus dem Ursprungsland des Jazz nachgespürt, klassische Komponisten wie Copland, Berg, Messiaen oder Strawinsky dabei nicht verkannt. Schwer zu sagen, welches nun das schönste Stück dieser Einspielung ist. "Nozomi", in dem Tim Sund sich mit dem Werk des Japaners Toru Takemitsu beschäftigt, birgt, wie der Untertitel "Secret garden" andeutet, allerlei geheimnisvolle Entdeckungen. Satt hören kann man sich nicht genug daran.
Thomas Volkmann


Jazzthing April/Mai 04

Der Amerikaner Tom Christensen prägt ganz entscheidend das Klangbild des neuen Quartetts des Pianisten Tim Sund. Man muss Christensen einen Multi-Instrumentalisten nennen, denn neben Tenor- und Sopransaxofon spielt er auf diesem Album noch Englischhorn, Flöte und Bassklarinette. Für Vielfalt ist also gesorgt und die Stücke, die meist von Sund stammen, machen sich diese Vielfalt zunutze. Seine Themen atmen eine großzügige Weite und sind von folkloristischen Einsprengseln durchsetzt, so dass der Titel "Americana" nicht schlecht passt. Man kann förmlich baden in diesem für ein Jazzquartett großorchestralen Klang, und die zwischendurch stattfindenden freien Klangexperimente, in denen Sund beispielsweise die Saiten seines Flügels mit einem Glas bearbeitet, fügen sich wie eine selbstverständliche Facette dieses Klangs ins Gesamtbild des Albums.
Rolf Thomas


Stereoplay 04/04

Auch der junge Pianist Tim Sund setzt für sein Album "Americana" auf die deutsch-amerikanische Freundschaft und liefert sich mit dem vielseitigen New Yorker Bläser Tom Christensen melodisch anspruchsvolle Zwiegespräche voller Poesie, die US-Bassist Ben Allison mit dem Drummer Michael Kersting reizvoll unterfüttert. Glänzend aufgenommen, braucht dieses Quartett den Vergleich mit bekannteren Kollegen nicht zu scheuen. Musik: 8-9, Klang: 9, Repertoire: 8
Sven Thielmann


Amazon.de, September 2003

"Kreative Trio-Scheibe"

Ein federleichtes Schlagzeug, ein dezenter Kontrabass und die lyrischen Klavier-Improvisationen eines Bill Evans - es gab eine Zeit, da galt das Klavier-Trio unter Jazzern als Königsdisziplin. Ganz so ist es heute leider nicht mehr: Zwar herrscht kein Mangel an talentierten Nachwuchspianisten, viele von ihnen scheinen sich jedoch nicht so recht für eine Fortsetzung der Tradition begeistern zu lassen, schließlich muss Jazz "innovativ" sein - und das fast um jeden Preis. Der junge Berliner Pianist Tim Sund sieht das völlig anders und zeigt mit seinem Album "Trialogue", dass das klassische Klavier-Trio auch noch im 21. Jahrhundert mit zum Schönsten gehört, was der Jazz je hervorgebracht hat. Sunds melodisches Spiel erinnert an das Michel Petruccianis, seine Stückeauswahl reicht von Standards bis Eigenkompositionen. Respektvoll, aber nicht übertrieben ehrfürchtig interpretiert er die Miles Davis-Klassiker "Blue in Green" und "Nardis" und sucht in seiner Tetralogie "Trialogue #1 - #4" immer wieder die musikalische Konversation mit den Bandmitgliedern Martin Lillich (Bass) und Michael Kersting (Drums). Ein kreatives und ideenreiches Album von Musikern, die nicht den Anspruch erheben, den Jazz neu erfunden zu haben, sondern versuchen, ihn im traditionellen Sinne weiterzuentwickeln.


3. Deutsche Jazzwoche im WDR, 05.11.2002 Young German Piano Masters

Wolfgang Dauner, Alexander von Schlippenbach, Georg Gräwe: die deutsche Jazzszene ist reich an international renommierten Pianisten. Weniger bekannt hingegen ist die jüngere Pianisten-Generation, die in ihrem originellen Spiel nach den Improvisations-Sternen greift. Aber auch Tim Sund, Bernhard Pichl und Hubert Nuss werden bald, meinen Jazz-Experten, in aller Jazz-Munde sein. Günther Huesmann

Jazzthetik, November 2002

**** Wer Klaviertrios mit unverbrauchtem frischen Approach mag, der sollte sich den Namen Tim Sund merken. Der in Berlin ansässige Pianist legt mit Trialogue seine nunmehr sechste CD-Produktion vor. Der 30-jährige Sund hat mit seinen Begleitern Martin Lillich (Kontrabass) und Michael Kersting (Schlagzeug) einen wunderbaren Gruppensound gefunden, wobei der Begriff Begleiter definitiv die falsche Bezeichnung ist, da Kersting und Lillich als gleichberechtigte Partner agieren, die dem Klavier aber auch einen Teppich zum Losfliegen weben. Das Trio mischt Eigenkompositionen von Sund mit Standards und Gruppenimprovisationen, die die Stärke des Trios zur Geltung bringen. Sund ist ein geschmackvoller Arrangeur von Standardmaterial. Stücke wie "Nardis" oder "Blue in Green" erscheinen in neuem Licht. Richie Beirach, ehemaliger Lehrer von Tim Sund, zeigt sich in seinen Liner Notes absolut begeistert über die neue CD seines Schülers. Mit Trialogue habe Tim Sund seine eigene Stimme gefunden, und das könne der Zuhörer am besten an Standards messen, da er da die Referenz hat. In dem Falle hat es sich Sund nicht einfach gemacht, denn Kompositionen wie "Blue in Green" oder "Nardis" lassen immer sofort an Bill Evans denken. Doch die neue Triobesetzung (die übrigens mittlerweile eine neue Produktion in New York eingespielt hat) braucht sich keineswegs hinter den Vorbildern verstecken. Hoffentlich bleibt die Besetzung Sund-Lillich-Kersting längerfristig zusammen - diese Besetzung ist mehr als vielversprechend. Angela Ballhorn


Jazzthing, November 2002 Focus

"Dies ist eine echte Trio-Aufnahme", schreibt Richie Beirach, Pianist, Komponist und Tim Sunds Lehrer, in den Liner Notes zur neuen CD seines 30-jährigen Piano- und Kompositionsschülers, "Trialogue". Aber "der Anteil von Michael und Martin", so Beirach weiter, "ist nicht zu unterschätzen. Tim ist sicherlich der Leader, aber gleichzeitig ist er auch ein exzellenter Zuhörer, der dem Drummer und dem Bassisten Freiheit und Raum zur Entfaltung lässt." Auch wenn man vergleichbare Liner-Notes schon oft gelesen hat, so treffen Beirachs Bemerkungen dennoch den Kern: Sund ist mit seinem sechsten Album unter eigenem Namenein "echter" Bandleader geworden, der es eben nicht mehr nötig hat, seine Virtuosität und Musikalität dem Publikum unter Beweis stellen zu müssen. "Trialogue" offenbart einen spannenden Mix aus bekannten Jazz-Standards (unter anderem "Nardis" und "Blue in Green") und Originalkompositionen, die Sund gleichsam als überraschende Interludes in das Repertoire der CD einbettet. Aber wodurch sich die Musik von Sunds Trio vom Gros vieler Jazz-Piano-Trios unterscheidet, ist das engmaschige Netz, das der Pianist mit dem Bassisten Martin Lillich und Drummer Michael Kersting knüpft. Hier ziehen drei gleichberechtigt agierende Musiker gemeinsam an einem Strang und legen mit ihrem sensibel improvisierenden Zusammenspiel die Grundlagen ihrer oft auch humorvoll klingenden Musik offen: Die drei haben zwar Respekt vor den großen Meistern der Jazz-Geschichte, verleugnen aber nicht ihre Wurzeln in einer zeitgenössischen, europäisch geprägten Improvisationsmusik.
Und nach dem Hören der CD muss man sich fragen, warum Sund noch immer nicht in die erste Liga der deutschen Jazzpianisten aufgestiegen ist - das musikalische Talent und die instrumentale Meisterschaft besitzt er auf jeden Fall! Martin Laurentius


Stereo/FonoForum, Oktober 2002

Dreiergespräch

Dass der 31-jährige Pianist Tim Sund bereits sein sechstes Album vorlegt, ist bemerkenswert genug. Sund stammt aus Hagen, sein Weg führte über Köln und New York nach Berlin. Richie Beirach war es, der ihn in den "Big Apple" holte und sein Mentor wurde. Er produzierte ihm ein Duoalbum; für das vorliegende verfasste er die Liner-Notes. Entscheidend geprägt wurde Sund auch durch ein klassisches Kompositionsstudium an der Manhattan School of Music. Die beiden Alben seines Quintetts, das statt mit einem zweitem Bläser mit einem Violinisten besetzt ist, stellten den Komponisten Sund in den Vordergrund; eines mit der Sängerin Erika Rojo war Jazzinterpretationen klassisch-romantischer lieder gewidmet.
Jetz zeigt Sund sich von einer anderen Seite. Zum ersten Mal kommt er indem Format, das die Dreifaltigkeit des Modern Jazz verkörpert, im klassischen Pianotrio, und legt den Akzent auf die persönliche Interpretation von Standards, ergänzt um eigene Stücke und ein paar Kollektivimprovisationen.
Mit "Nardis" und "Blue in Green" nimmt er sich jene beiden Nummern vor, die mit den Namen Miles Davis und Bill Evans verbunden sind, ohne dass deren Autorenschaft bis heute geklärt wäre.
Ornette Colemans "When Will The Blues Leave" und Jimmy Rowles´ "The Peacocks" sind Schlüsselnummern aus der jüngeren Geschichte des Klaviertrios.

Mit farbigem Spiel voller lyrischer Moment und zupackendem Groove positioniert Sund sich als aufregende neue stimme in der Traditionslinie Bill Evans-Paul Bley-Chick Corea-Keith Jarrett, in der es nicht zuletzt um das geht, was der Titel "Trialogue" verspricht: ein Gespräch zu dritt. Die eloquenten Partner heißen Martin Lillich (Bass) und Michael Kersting (Drums). Berthold Klostermann


Musik-Check/Interpretation *****


Hifi-Check/Klang *****

Berliner Morgenpost, 30. Juni 2002

Tim Sund Trio

Die Quadratur des Jazz-Kreises

Das Eckige muss ins Runde. In der Umkehrung der alten Fußballweisheit liegt das Geheimnis des Piano-Trios im Jazz. Da haben wir es zuerst mit einem Dreieck zu tun, das aus Klavier, Bass und Schlagzeug besteht. Gleichschenklig sollte es sein, damit jedem Instrumentalisten ein genügender Aktionsradius zur Verfügung steht. Und eine Gesprächsrunde sollte es ein.
Eckig und rund: geht das zusammen? Es geht: Man muss nur dem 30­jährigen Berliner Pianisten Tim Sund und seinen Mitstreitern Martin Lillich (Bass) und Michael Kersting (Drums) zuhören.
Nicht ohne Grund haben sie ihre Aufnahme die sie heute im A­Trane vorstellen, mit dem Namen "Trialogue" versehen. Im Zentrum der CD stehen fünf bekannte Standards aus dem Bereich des modernen Jazz. Vier freie Kollektiv­Improvisationen ranken sich um die Interpretationen mehr oder minder bekannter Stücke aus der Feder von Miles Davis, Bill Evans und Ornette Coleman; hier zeigt das Trio ein Höchstmaß an Kommunikationsfreude und Formwillen im luftleeren Raum.
Josef Engels

Cadence ­ Magazine, August 2001

Tim Sund fancies an unusual front pairing. On his album "The Rains from a Cloud Do not Wet the Sky" it's saxophone (Joel Frahm) and violin (Gregor Huebner). Recorded live at Berlin& acute;s A­Trane, this is the quintet's second Nabel session, and it is certainly developing an original, smart sound.
Sund's writing is clearly designed for these men: Huebner and Frahm sit in his mind's eye, the pair's range must be a real inspiration. Listen to "Drifting", with it's open spaces and hints of tango, the melody is intimately linked to a horn and violin combination. Or "Hunting Shadows" (which according to Sund, reflects the atmosphere towards the end of Stravinsky's opera, The Rake's Progress), with a floating, nearly diaphanous line.
Modern Jazz violin, from Jean­Luc Ponty to Leroy Jenkins, is often considered an aquired taste but Huebner's approach is immediate and rich: he's at ease with himself, his sound never grates. Indeed, his sense of proportion is just right ­ a point on which many of his peers falter. More than anything else, the violin brings beauty to this ensemble, rather than any harmonic or melodic challenges. Huebner is in league with Frahm and Sund ­ he's never a polarizing force.
Joel Frahm, a leader in his own right, may be a saxophonist in the straightforward post­Coltrane mode, but he's his own man and there's a distinct charm and neighborliness to his lines. Even on a swinger like "Dr. DeeDee" he's tuned to his mates; he doesn't isolate himself, wrapped up in pyrotechnics or bogged down in arcana.
The rhythm team is flexible and fluid. Drummer Andreas Griefinghold, in particular, has a loose and bombastic approach that´s filled with vigor and snap.
Carlos Bica's solo feature, the bowed statement, "Uma nuvem no céu," reminded me of Miroslav Vitous with its push and pull and internal dialogue ­ little repetetive phrases, reworked and bounced back and forth.
Tim Sund gets much of his power and his understanding of harmony and time from his former teacher, Richie Beirach. Like his mentor, Sund likes the knotted and the difficult. "Stretch the Match", for instance, plays with time ­ a 17/8 ostinato in the piano's right­hand against a _ ­feel.
Sund, however, has many faces ­ the earnest romantic ("The Hill of Love") or the open improviser ("Jumping Jack"), but he ultimately favors the direct and the accessible: Sund's default switch is the lovely cadence, the workable phrase. The title piece serves as an exellent example. Played with wit and expertly executed, "The Rains from a Cloud Do not Wet the Sky" is altogether compelling.



Jazzpodium, März 01

Es ist einfach ein unglaublich ausgewogenes zweites Album, das Tim Sund mit seiner amerikanisch­deutschen Band aufgenommen hat. Bis auf ein Stück ­ von dem Bassisten Carlos Bica geschrieben ­ stammen auch alle Kompositionen von Sund selbst. Und: es ist ein Live­Album, das im Berliner A­Trane aufgenommen wurde ­ die enorme Intensität des Abends widerspiegelnd, die direkte Kommunikation zwischen Musikern und Zuhörern ebenso wie die zwischen den Bandmitgliedern. Die Musik dieses Abends ist ebenso rund wie die Kompositionsarbeit, die dahintersteht: sie firmiert als Modern Jazz ­ das ist ja heute fast alles ­aber in erster Linie nimmt man sie vor allem als fast meditative oder aber springlebendige Stücke wahr, deren Eindruck durch das Zusammenspiel von Geige und Jazzquartett eine Weichheit und harmonische Ausgeglichenheit erlangt, die selten vorkommt. Die Tracks ­ stets mit einem interessanten thematischen Bezug, so wie das Titelstück, das die Message des Yogameisters Swami Sivananda verdeutlichen soll ­ sind mit guten Soli und ungewöhnlichen Metren nur so gespickt oder aber fließen langsam und gleichmäßig wie ein Strom. Tim Sund, p, Joel Frahm, sax, Carlos Bica, b, Andreas Griefingholt, dr, und Gregor Huebner, vln, bilden eine wirkliche Einheit, sobald sie zu spielen beginnen. Im Geschäftsleben würde man diesen Sound als ihre "Corporate Identity" bezeichnen.



Jazzthing, Februar/März 01

… Sunds Kompositionen orientieren sich an einem expressiven und frischen Modern Jazz.
Mit aufstrebenden Nachwuchskräften wie dem Saxofonisten Joel Frahm oder dem Bassisten Carlos Bica hat Sund ein tatkräftiges, nach vorne schreitendes Quintett um sich geschart.

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