Pressestimmen:
(Fortsetzung)

WZ, 23.10.2000

Schwebende Leichtigkeit

Das ist natürlich eine Auszeichnung. Der große Jazzpianist Richie Beirach, hierzulande bekannt durch seine Zusammenarbeit etwa mit John Abercrombie oder David Liebman, holte ihn als Schüler zu sich nach New York. Dass er diesen Unterricht weidlich genutzt hat, konnte man jetzt in der Volkshochschule hören. Der inzwischen in Berlin lebende Pianist Tim Sund präsentierte dort auf Einladung des Jazzklubs Krefeld sein Quintett, eine exzellent aufeinander eigespielte Formation.
Beirachs Jazzpiano ist immer die klassische Ausbildung anzuhören, das kann man auch vom Spiel Tim Sunds sagen. Die technischen Möglichkeiten beider liegen weit über dem Durchschnitt. Eine reiche Farbigkeit der Akkorde, eine beispielhafte Phrasierung der Melodielinien, eine große Bandbreite in der Dynamik ­ weitere Merkmale des Spiels beider Pianisten.
Aber Tim Sund hat auch andere einflüsse geschickt zu einer eigenen Sprache verknüpft. So bot er in einer längerenSlolpassage die intelligente und nicht auf Anhieb zu erkennende Verarbeitung eines Standards ("Solar" von Miles Davis), fast in Manier des großen Keith Jarrett.
Die Stücke Sunds bewegen sich stilistisch zwischen dem Newjazz der 80er Jahre und Neo­Bop. Auch freie Einsprengsel, die aber jeinen Selbstzeck verfolgen, sondern geschickt eingebettet sind, kommen vor. Die Themen erreichen durch das Zusammenspiel von Geige (Gregor Huebner) und Blasinstrument (Tom Christensen an Tenor­ und Sopransaxofon, Englisch Horn und Altflöte) eine schwebende Leichtigkeit. Huebner wie Christensen erwiesen sich zudem als ihrem Bandleader ebenbürtige Solisten. Carlos Bica am Kontrabass, ein Ausnahmekönner, und Andreas Griefingholt am schlagzeug, dessen Spiel von unablässig treibender Kraft ist, sind in diesem Quintett mehr als nur sattelfeste Begleiter, viel mehr gleichberechtigte Partner, die eigene Akzente setzen können.


RZ (Recklinghauser Zeitung), 21.10.2000

Spielfreude springt auf das Publikum über
Altstadtschmiede: Hochtalentiertes "Tim Sund Quintet" besticht durch lebendiges Konzert

Ihr Konzert im September des vergangenen Jahres galt als eines der schönsten in der Geschichte der Jazz­Ini. Nun waren sie erneut zu Gast in der Altstadtschmiede, umjubelt von ihren Fans.

Musiker des Tim Sund Quintet, die es verstanden, Momente von großer Dichte zu zaubern. Eine Formation, in der jeder der Instrumentalisten sich als hochqualifizieter Solist erwies, ein Spiel, das bestimmt war von Klangintensität, Temperament und Präzision, vor allem aber von einer Musizierfreude, die mitriss. Ein Blick, ein Lächeln und es entstanden improvisierte Passagen von bezaubernder Lebendigkeit und Frische.
Hier war solideste Technik das Fundament, auf dem sich ein melodisch wie rhythmisch sehr intensives Spiel entfaltete.
Zu hören waren Titel der neuen CD "The Rains from a Cloud do not Wet the Sky", aber auch brandaktuelles wie "Ravi", ein stück, das Tim Sund für seinen zwei Monate alten Sohn geschrieben hat. Der Komponist und Pianist der Band gab hier mit schlankem, rhythmisch fein bemessenem Spiel schöne Impulse. Auch der Geiger Gregor Huebner (New York) faszinierte durch ein Musizieren, das mal im strengen Stil Bachs, mal folkloristisch gefärbt, durch elegante Vituosität bestach. Ein eidig schimmernder, expressiver Ton bestimmte das Spiel des Tenoristen Tom Christensen (New york), der sein Saxofon mehrmals gegen Flöte und Englisch Horn austauschte. Und schließlich zwei Musiker, die sich nicht nur als Rhythmus geber verstanden: Kontrabassist Carlos Bica (Lissabon) und Schlagzeuger Andreas Griefingholt (Köln). Für ihre differenzierten Soli wurden sie mehrmals mit Sonderapplaus bedacht.


WAZ, 23.10.2000

Musik erfüllt die hohen Erwartungen
Tim Sund Quintet begeisterte

Die Erwartungen des Publikums waren hoch. Doch die Musiker des Tim Sund Quintetts erfüllten sie voll und ganz.

Im Rahmen der Jazz­Ini traf das international hochkarätig besetzte Ensemble im den in berlin lebenden Pianisten Tim Sund in der vollbesetzten Altstadtschmiede auf, dem Ort an dem sie vor gut einem Jahr eines ihrer "besten Konzerte überhaupt" (so Tim Sund persönlich in einer Ansage) gegeben hatten. Schon bei den ersten kräftigen Modern­Jazz­Stücken wurde deutlich, dassman auch diesmal zu musikalischen Höchstleistungen aufgelegt war.
Beeindruckend die schnellen Unisono Passagen von Sax und Geige, eine selten gehörte Kombination, die jedoch von Tom Christensen, der außer Sopran­ und Tenorsaxophon auch an Flöte und English Horn zu gefallen wußte, und Gregor Huebner an der Violine in erstaunliche Harmonie gebracht wurde.
Bassist Carlos Bica aus Portugal und der Kölner Schlagzeuger Andreas Griefingholt setzten neben der stets spannenden rhythmischen und melodischen Begleitung durch ihre herausragenden Soli weitere Akzente.
Was das Quintett neben der Präzision des Zusammenspiels auszeichnet, sind die einfallsreichen und gefühlvollen Kompositionen von Tim Sund, die sich im Spannungsfeld zwischen Klassik, Folklore und Jazz bewegen, ohne dabei konstruiert zu wirken, und die stets stark von Tim Sunds persönlichen Erfahrungen geprägt sind. Besonders deutlich dies bei "Ravi", dem ersten Stück nach der Pause, das Sund anlässlich der Geburt seines gleichnamigen Sohnes vor zwei monaten komponiert hat. Gelungen auch die Bearbeitung von Miles Davis´"Solar" (dem einzigen Standard des Abends), bei dem Sund die Spannung durch ein einfallsreiches Piano­Vorspiel grandios aufzubauen wußte.
Am Ende bedachte das begeisterte Publikum jeden der fünf Musiker mit reichlichem Applaus. Ein in jeder hinsicht gelungener Konzertabend.


Neue Osnabrücker Zeitung, 21.10.2000

Das Tim Sund Quintett beim "Jazzkongrazz"
Abwechslungsreicher Jazz, mal verträumt weitläufig, mal hochexpressiv

Saxofonist, Flötist und Englischhornist Tom Christensen und Geiger Gregor Huebner prägten als Frontline den ganz eigenen Sound des Ensembles, den gelegentlich Kontrabassist Carlos Bica mit sauber gestrichenen Melodien vervollständigte. Dazu kam der ganz eigene Stil des Bandleaders und Pianisten Tim Sund und das unglaublich dichte, unaufdringliche und präzise Schlagzeugspiel Andreas Griefingholts. Spaß machte es, der filigranen Abstimmung zwischen den Musikern zuzuhören, wie sie Akzente setzten und Spannung aufbauten, in einer Mischung aus Latin­Grooves, hitzigen Up­Nummern, ruhig dahintreibendem Jazz­Waltz und stillen Balladen.

Der Tagesspiegel, Berlin, 25.05.2000

Klassik & Jazz

Als modern, farben- und ideenreich bezeichnet die Zeitschrift Jazzpodium die Arrangements des Pianisten Tim Sund.
Mit seiner Partnerin, der mexikanischen Sopranistin Erika Rojo, geht Sund jedoch noch einen Schritt weiter, und wagt mit seiner Fusion von Klassik und Jazz, was wenig andere bisher wagten.
Was sich wie ein klassisches Liedprogramm mit Werken von Schumann, Schubert, Mendelssohn und anderen anlässt, erhält durch die feinsinnigen Jazzimprovisationen von Sund und seiner Triobesetzung eine völlig neue Nuance und überzeugt damit vielleicht auch all jene, die klassische Konzertsäle bisher gemieden haben.
Angela Böttcher


Westfälische Rundschau, 23.05.2000

Jazzexperiment begeistert aufgenommen - Improvisationen klassischer Lieder

Ein musikalisches Experiment, das stilistische Grenzen überschritt, erwartete die zahlreichen Jazzfreunde in der CataCombe.
...
Auf der Grundlage klassischer Kunstlieder von schubert, schumann und de falla wurden jazzorientiert Improvisationen von atmosphärischer Dichte entwickelt.
Stimmungsvolle Klavierharmonien und melodiöse Einwürfe leiteten von südländischem Flair geprägte Stücke wie Manuel de Fallas "Asturiana" ein, die sich bald zu eksatatischen, virtuosen Soli von Klavier und E-Gitarre (David Heintz) hineinsteigerten, um dann am Schluss wie in einem musikalischen Bogen zur meditativen Atmosphäre des Beginns zurückzufinden. Dabei sorgten Dirk Strakhof (Bass) und Kai Schönburg (Drums) für eienen Klangteppich aus filigranen, flexibel swingenden rhythmischen Grooves.
Ohne exaltiert-opernhaftes vibrato, mit schlichter und glasklarer Intonation trug Erika Rojos klassisch geschulte Sopranstimme die anspruchsvollen Vokallinien. Dabei wurde Robert Schumanns "In der Fremde" zu beginn originalgetreu interpretiert und entwickelte sich erst allmählich zu einem spannenden improvisatorischen Trip. Verinnerlichte Seelenwelten offenbarten Strawinskys "Aria" und eine Eigenkomposition von Tim Sund, eine Vertonung von Goethes "Dämmerung".
Das musikalische Experiment wurde von den Musikkennern im Publikum begeistert aufgenommen, eine Zugabe war Pflicht.
Christoph Clören


Jazzthing, April/Mai 2000

Komponist und Pianist Tim Sund ist hierzulande kein Unbekannter mehr.
Mit seiner neuen CD "Das Lied", eingespielt mit der mexikanischen Sopranistin Erika Rojo, dem Gitarristen David Heintz, dem Bassisten Dirk Strakhof und dem Drummer Kai Schönburg, hat er nun eine lang gehegte Idee verwirklicht: "Der originale Gesangspart eines Liedes von Schumann und Manuel de Falla wird begleitet von einem Arrangement für Jazzensemble", so Sund im Booklet seiner CD.
Dieses Experiment ist ihm und seinen Musikern geglückt: durch einen variantenreich improvisierten Umgang mit dem vorgegebenen Material erhält Rojos lyrische Vokalkunst einen ungewöhnlichen , oft überraschenden musikalischen Hintergrund, ohne dabei gleich in Play-Bach-Platitüden zu versinken.

Martin Laurentius


United Jazz Society, Heft 3/2000, Mai/Juni

Ansätze, den "Third Stream", also den Versuch klassische und jazzorientierte Musik weiterzuentwickeln, gab es schon viele. Aber Tim Sund, Pianist aus Berlin, geht diesen Weg sehr individuell und bringt ein wunderbares Stück Musik heraus. Zusammen mit der klassisch ausgebildeten Sängerin Erika Rojo will er keine der beiden musikalischen Elemente, also Improvisation und klassische Interpretation zugunsten einer anderen Ebene aufheben.
Er geht an die klassischen Liedkompositionen von Robert Schumann, de Falla oder Ralph Vaughan Williams zunächst als klassischer Pianist heran.
Die Stimme orientiert sich am Original, die begleitung erspielt sich langsam andere harmonische Wendungen, behutsam kommt die Band mit klassischer Quartettbesetzung, erweitert um den Gitarristen David Heintz, ins Spiel.
Die Begleitung der Stimme, kompetent und virtuos arrangiert, erreicht so eine eigene Qualität. Klassische Melodie, gepaart mit jazziger Begleitung, die trotzdem homogen und klassisch klingt, hebt diese Produktion aus dem Einerlei der Vermischung von Jazz und Klassik heraus.
Gerade der klare und hervorragende Gesang von Erika Rojo formt eine ganz eigene Musik. Die Diskussion über mögliche Synthesen ist völlig unnötig.
"Das Lied" spricht für sich, intelligente Musik, die ihre Wurzeln in verschiedenen Welten hat, aber wen interessiert das, wenn sie so schön und wahr klingt.



Cadence - Magazine, USA, November 1999
Sund is clearly a lyrical piano soloist and composer.
This is a straightahead set of adventurous contemporary swing (check out the band's compelling grooves during "...In The Traffic", "Blue Trees", "...And Flowers pick Themselves" and "Traps").
Among the most evocative musical elements are the memorable unison exchanges between Frahm's soprano sax and Hübner's violin in "Lost Hills Road", "...In The Traffic", "Blue Trees", "...And Flowers pick Themselves" and the rhapsodic counterpoint of "Devi".
Hübner, Sund and the rhythm section show wonderful rapport during the atmospheric ballad "Erilinda", while Frahm's soprano sax sounds inspired during his cacading double tempo lines in "Blue Trees" and " …And Flowers pick Themselves".

Ultimately this compelling mainstream date possesses that essential ingredient: real passion. Recommended.
David Lewis


Neue Osnabrücker Zeitung, 17. Okt. 1998
Wie der Puls des "Großen Apfels"
New York im HDJ: Tim Sunds Quintett

So etwas gibt es nur in einer Stadt wie New York (dabei gibt es gar keine Stadt wie New York): In irgendeiner Wohnung treffen sich ein paar Musiker, "jammen" bis spät in die Nacht, und dann wird plötzlich eine Band daraus. So geschehen mit dem "Tim Sund Quintett". Diese Gruppe jedoch eine "Zufallsgemeinschaft" zu nennen wäre eine geradezu niederträchtige Geringschätzung.

Denn die fünf Musiker, die den zweiten Abend der vierteiligen Jazz-Galerie im Haus der Jugend bestritten, bilden ein Ensemble von außergewöhnlicher Homogenität, wie sie - gerade in Osnabrück ­ selten zu hören ist. So passen Saxophon und Geige ­ eine nicht gerade gewöhnliche Jazz-Kombination ­ als Soloinstrumente überraschend harmonisch zusammen.

Joel Frahm, im "Big Apple" schon eine kleine Berühmtheit, ist ein Saxophonist ohne Allüren, der sich ­ während der Soli der anderen ­ auch schon mal hinter dem Vorhang versteckt. Seine Musik indes ist alles andere als scheu. Mal kräftig und virtuos, dann wieder sanft und zurückhaltend. Auch Gregor Hübner arbeitet exzessiv mit seinem Instrument. Die Geige schrillt, kreischt und sägt, sie schnurrt säuselt und singt. Kein Klang, keine Stimmung ­ so scheint es ­ die dieser Mann nicht aus seiner Geige herausholen kann. Und dabei bedient er sich allen Möglichen Musikrichtungen: Ein bißchen Irisch Folk, ein bisschen Zigeunermusik, ein paar Anklänge an Budapester Blut. Hübner vereint alles zu einer atemberaubenden Melange.

Pianist Tim Sund hat sämtliche Stücke für das Quintett komponiert und arrangiert ­ seine Handschrift wird im Laufe des Abends deutlich. Er liebt getragene, stimmungsvolle Intros, die sich im Laufe des Stückes zu vielstimmigen, bisweilen flirrenden Klanggemälden steigern, um sich dann meist wieder zu beruhigen. Kein Wunder, denkt man manchmal, dass es diesen Mann nach New York gezogen hat. Seine Musik gleicht dem Puls jener Metropole. Besonders deutlich wird das bei "In the Traffic": Stau ist damit ganz gewiss nicht gemeint.

Das Quintett, vervollständigt durch die nicht minder exzellenten Andreas Griefingholt am Schlagzeug und Mark P. Brown am Bass, kann aber auch ganz ruhig sein. Ihr zweites Set beginnen sie, indem sie in Panflötenmanier in ihre leeren und halbleeren Getränkeflaschen pusten. Diese Sounds nehmen sie dann wenig später mit ihren Instrumenten auf, spinnen sie weiter, erweitern und verzerren sie, um am Ende wieder in die Flaschen zu pusten. Und als Zuschauer sitzt man da und denkt bebannt: That's Jazz!
Klaus Grimberg


Westfälische Rundschau, 17. Okt. 1998
Brillante Duelle der drei Solisten

Tim Sund-Quintett bot in der CataCombe Modern-Jazz der Extraklasse

Innovativer Modern-Jazz der Extraklasse begeisterte die Zuhörer in der gutbesuchten CataCombe. Nach seinem gefeierten Auftritt im Mai gastierte der Pianist Tim Sund mit seinem Quintett ein zweites Mal im Jazz-Club.

In seinen Kompositionen kombiniert der ambitionierte junge Komponist und Musiker klassische Spielfiguren, folkloristische Einflüsse und moderne Jazzharmonik zu einer eigenen, an sinnlichen Klangerlebnissen und virtuoser Spielfreude orientierten Klangsprache, die nichts mit trockenem Akademismus und extravaganten Free-Jazz-Lärm im Sinn hat.

So beeindruckte das quirlige Quintett zu Beginn mit intensiven Dialogen zwischen Violine (Gregor Hübner) und Saxophon (Joel Frahm). Südländisches Flair und groovige Latinrhythmen prägten die einzige Coverversion des Programmes, Manuel de Fallas "Asturiana" sowie die Eigenkomposition "Mexico". Ausgehend von meditativen Klangflächen verdichtet sich in Sunds Kompositionen die Musik in langen Spannungsbögen zu enthusiastischen, dynamischen Steigerungen.

Dabei verabschiedete sich Schlagzeuger Andreas Griefingholt von der Vorstellung eines bloßen Taktgebers und entwickelte ein vielschichtiges Geflecht perkussiver Klänge und Rhythmen. Ebenso verstand des Mark Brown, auf seinem Baß spannende Solo-Episoden zu kreieren. Melodiöse, nahezu klassisch inspirierte Melodiebögen des Pianos mit wenigen, aber ausdrucksvollen Tönen prägten die Ballade "Erilinda", die Tim Sund seiner Frau gewidmet hat.

Bis an die spieltechnischen Grenzen ging Gregor Hübner in seinem exstatischen Violinsolo in "The Song of Creation", während Saxophonist Joel Frahm in "Blue Trees" mit rasanten Soli und prägnanten melodischen Patterns begeisterte. In einer Hommage an Tim Sunds New Yorker Lehrer Richie Beirach lieferten sich die drei Solisten noch einmal brillante Duelle. Herzlicher Applaus wurde mit der Zugabe "El Rojo" belohnt.


Jazzhaus Magazin, Freiburg
Pianisten-CD Longseller
Tim Sund, der in der Kölner Kaderschmiede aufwuchs und 1993 Schüler von Richie Beirach in New York wurde, legt jetzt ein neues Album vor. Der 27-jährige Pianist entwickelt eine melodische, dennoch vielschichtige Tonsprache, angesiedelt zwischen Neuer Musik und Jazz. Sein Quintett, das gelegentlich jazzuntypische Instrumente einbezieht und auf diese Weise interessante Klangfarben schafft, steuert Sund in blendender Interaktion durch verschiedene Klanggebilde.
Reiner Kobe


Rheinpfalz, Mannheim, 9. Mai 98

Neue Namen, viel Talent
Tim Sund Quintett in der Alten Feuerwache

Eine starke Newcomerband gastierte nun bei der IG Jazz in der Galerie der Mannheimer Alten Feuerwache, das Tim Sund Quintet.

Kompositionen des Berliner Pianisten Tim Sund waren ausschließlich zu hören in Mannheim. Zu jedem Titel gab es auch einen Untertitel, der den Charakter des Stückes näher bezeichnete. Der "Song of Creation" war "Ananta", mit einem kräftig aufrauschenden, hymnischen Thema, hochgetragen von mächtigen Tremoloflächen.
Dazu gab es erregende Soli, etwa von Gregor Hübner an der Geige, der es packend lodern ließ, Biss und Eleganz vereinte. Ein großes Talent ist der aus Stuttgart stammende, in New York lebende Geiger (und Pianist), dem im Herbst der Landesjazzpreis Baden-Württemberg verliehen wird.
"Hunting Shadows" hieß der erste Titel des Abends, ein nostalgisch klingendes Thema nahe an Salonmusik. Eine expressiv und romantisch ausschwingende Nummer setzte das Thema gleichwohl in Gang. Romantisches Blut fließt ohnehin durch die komponierenden Adern von Tim Sund.
Dabei kommen die Themen dennoch harmonisch so gespannt daher, um starkes Hardbop Potential für die Improvisationen zu gewinnen. Aus melodischer Gefälligkeit findet Sund in seinen Soli schnell heraus, startet zu wirbelnden, flirrenden Läufen.
Eine große Begabung ist auch der junge Kölner Saxophonist Paul Heller. Hochinspiriert und wundervoll flüssig entwickelte er große gesangliche Bögen am Sopransaxophon, ließ die Linien farbenstark glitzern und gleißen, entwand Hochexpressives auch aus dem Tenorsaxophon. Viel Druck kam von der rhythmischen Basis, von den knorrig swingenden Basslinien von Mark Brown und dem locker trommelnden Andreas Griefingholt.

Rainer Köhl


Neue Osnabrücker Zeitung, 11. Mai 1998

Mitreißende und virtuose Musik Euregio-Jazzfestival in der Salzmarkthalle

... Eine ganz andere Richtung geht das Quintett des Pianisten Tim Sund, dessen Kompositionen den Abend eröffnete. Dicht und atmosphärisch waren die eher ruhigen Stücke, mit detailliert ausgearbeiteten Themen auf der einen Seite und großen Freiräumen auf der anderen. Das aufgelöste Spiel von Schlagzeuger Andreas Griefingholt und melodiöse Basslinien von Mark P. Brown lieferten den filigranen Hintergrund für den ebenso lyrischen wie expressiven Saxophonisten Paul Heller, für den grandiosen Geiger Gregor Hübner und für Tim Sunds klassisch angehauchten Klavierstil. Sicherlich war die Musik des Quintetts die am wenigsten eingängige bei diesem Festival, aber auch die interessanteste.
Ralf Döring

oben